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lsEinfach GesagtdeAlltagssprache

Vor einiger Zeit löste eine Meldung in den Medien großes Erstaunen bei mir aus. Nicht nur in Radiosendungen, auch in Zeitung und Fernsehen wurde über den bedeutsamen 18. Januar des Jahres 1969 berichtet.

Damals schrieb das ZDF Fernsehgeschichte, was den seinerzeit Verantwortlichen wahrscheinlich erst etwas später klar geworden ist. Aus dem Studio der „Berliner Union Film“ an der Oberlandstraße in Tempelhof, ging die erste ZDF-Hitparade live über den Sender!

Bis heute sind Liveshows ja eher selten, aber hier wurde über beinahe vierzig Jahre das Prinzip der live gesendeten Unterhaltung aufrechterhalten.

Wegen meiner späteren Geburt kann ich mich über den Beginn der Sendung leider nicht äußern, weil die inzwischen legendäre Musiksendung bereits über 10 Jahre ausgestrahlt wurde, als ich sie etwa im Alter von 5 oder 6 Jahren mit meinen Eltern erstmals anschauen durfte.

Aus den Anfangsjahren ist mir inzwischen bekannt geworden, dass die Bänder der Ausgaben 2 bis 25 (im Jahre 1971), schon nicht mehr existieren. Sie waren wohl doch nicht so unbedingt das „Gelbe vom Ei“. Vielleicht weil die zu dieser Zeit populären Sänger, wie z. B. Graham Bonney oder Chris Roberts, noch am Beginn ihrer Karrieren standen und vermutlich entweder nicht so sehenswerte Auftritte ablieferten oder noch belanglosere Lieder sangen als in der Folgezeit.

Ich hege auch große Zweifel, dass die Mitwirkenden aufgrund ihrer Verkaufszahlen oder wichtiger Auftritte in den Medien oder auf großen Bühnen rekrutierten wurden. Stattdessen glaube ich, dass der omnipräsente Moderator Dieter Thomas Heck (bis 1984) ein wichtiges Wörtchen dabei mitsprach, wen man denn wohl an den lauschigen Samstagabenden auf das Publikum loslassen könnte!

Was mir an seiner Körpersprache auffiel, schien er bereits innere „Schüttelkrämpfe“ auszustehen, wenn Deutschrocker wie Peter Maffay oder Klaus Lage vor das Publikum traten.

Besonders leidensvoll muss für ihn die Zeit der „Neuen Deutschen Welle“ (um 1982) gewesen sein: Erschienen damals Künstler wie Nena und Band oder die bunte Truppe von Hubert Kah im Studio, wandelte sich Hecks bis dahin freundliche Moderatoren-Miene nicht selten zu einer schmerzverzerrten Fratze. (Wenngleich ich dem Gehampel, den bunten Klamotten und den seltsamen Texten meistens auch sehr wenig abgewinnen konnte).

Ab dem Jahre 1985 bis zum Jahr 1990 beglückte dann der deutlich jüngere Viktor Worms die Zuschauer. Nun kamen auch englischsprachige, in Deutschland produzierte Titel zum Zuge, was die Bravo-Generation vor die Bildschirme locken sollte.

Leider bewirkte der Vollplaybackzirkus, dass sich die älteren Stammzuschauer schaudernd vom Geschehen abwandten. Produzenten wie Dieter Bohlen oder Michael Cretu bestimmten nunmehr die Hitlisten mit Künstlern wie der beinahe vollständig talentfreien C. C. Catch oder ihrer Kollegin Sandra.

Weil sich die Abneigung der Zuschauer in geringerer Sehbeteiligung ausdrückte, machten sich die Obersten der Sparte Unterhaltung im ZDF ihre Gedanken und brachten schließlich Neuerungen auf den Weg. Nun durfte ab 1990 der smarte Uwe Hübner ein abermals eher schlagerlastiges Programm moderieren, um die eigentliche Zielgruppe zurückzugewinnen.

Ihm gelang es, bis zur Jahrtausendwende Menschen am Samstagabend (es gab allerdings auch noch andere Sendetage) vor die Mattscheibe zu bannen. Schließlich ging dem Ganzen dann aber die Puste aus.
Am 16. Dezember 2000 sendete das ZDF die unwiderruflich letzte Hitparade.

Vielleicht noch eine Anmerkung, um die allgemeine Popularität der Sendung zu beschreiben: In meiner Kindheit hieß es im Volksmund noch: „Nach dem Bade: Hitparade!“

Man sagt, es hätten sich in der Blütezeit der Sendung komplette Familien am TV versammelt, um Howard Carpendale und anderen Größen des Schlagers zu lauschen Das klingt heutzutage unglaublich!

Zum Schluss noch zwei rekordverdächtige Zahlen zur Sendung:

Der gebürtige Berliner Roland Kaiser hat an 63 der 168 Hitparaden teilgenommen und die Saarländerin Nicole gewann nicht nur mit „Ein bisschen Frieden“ 17 Mal!

Viele Grüße
Eure Anke Köhler
Verwaltung
Standort Brauerstraße