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Schlachtfeld Rauchereck
Nichtraucher, Tyrannen, Bösewichte & Co. 

Es ist schon erstaunlich, dass immer wieder heftige Diskussionen angestoßen werden, um die Raucher zu schikanieren, zu triezen und zu mobben. Selbstverständlich sind das nur die Empfindungen und das Gefühlsleben eines Rauchers, der sich seit den „Nichtraucher-Schutz-Gesetzen“ verfolgt und entwürdigt fühlt. Vom Staat verfolgt: Im Winter für eine kleine Zigarette das schöne, warme Lokal verlassen, sich in kleinen Glaskästen einnebeln lassen und für eine unachtsam weggeschmissene Zigarettenkippe bis zu 120 Euro Bußgeld zahlen.

Nein, als Raucher kann ich natürlich nicht objektiv über dieses Thema schreiben und eigentlich will ich ja auch gar nicht meine Zeilen hier objektiv füllen. Es ist mir ein Bedürfnis, als Raucher von den Schikanen der Nichtraucher zu berichten und darauf aufmerksam zu machen, dass die, die einmal geraucht haben und den glücklichen Sprung zum Nichtraucher geschafft haben, die schlimmsten Häscher sind. Durch ihren Absprung von der Nikotinsucht haben sie natürlich ein gesteigertes Selbstwertgefühl gerade in diesem Zusammenhang entwickelt.

Aber leider muss ich ja auch eingestehen, dass sie ja überwiegend Recht haben mit ihren Argumenten hinsichtlich Gesundheit und den lebensbejahenden Gefühlen in allen Facetten. Und so versuchte ich nun immer wieder, nicht zu rauchen, den Glimmstängel sein zu lassen und einfach aufzuhören. Doch leider muss ich berichten, dass meine Versuche nie erfolgsreich waren. Ein markantes, einschneidendes Erlebnis brachten mir meine Versuche allerdings: Nach einiger Zeit des Nichtrauchens hätte ich am liebsten allen Raucher, die in meiner Nähe an ihren Glimmstängeln zogen, eine Backpfeife gegeben und ihre Zigarettchen weggeschmissen.

Boah, war das widerlich, als sie mich mit ihrem Qualm umnebelten. Richtig ekelig. Dieses Gefühl hatte ich natürlich nur, wenn ich längere Zeit nicht geraucht hatte, ansonsten schmeckt und riecht mein Nikotinqualm einfach himmlisch und eigentlich verspüre ich gerade jetzt den Drang, eine kleine Zigarette genüsslich zu qualmen und zu paffen. Dennoch muss ich gestehen, dass ich nun weiß, warum ehemalige Raucher so penetrante Fürsprecher des Nichtrauchens werden. Selbstverständlich spielen meistens auch prägende Erlebnisse eine Rolle dafür, warum man zum Nichtraucher wird. Doch ich schweife ab. Ich wollte ja eigentlich davon berichten, wie kleine Randgruppen uns Raucher verfolgen, tyrannisieren und nachstellen.

Allerdings ist das wohl auch nicht die ganze Wahrheit. Viele Konflikte entstehen wahrscheinlich durch nicht korrekt eingehaltene Absprachen und mangelhaftes zwischenmenschliches Verhalten. Selbstverständlich gilt das auch für die Gruppe von qualmenden und rauchenden Narren. Wenn wir hier ehrlich sind, sind wir tatsächlich Narren, weil wir wissen, dass wir uns schädigen und misshandeln, weil wir rauchen wollen und müssen. Aber zur Ehrlichkeit gehört auch, dass ein Narr ist, der versucht, einen anderen in seiner Freiheit einzuschränken und ihn damit seiner kleinen Raucherwürde zu berauben.

Nach meinen harten Worten gegen die Nichtraucherfraktion und ihre Sympathisanten fällt es mir nun doch etwas schwer, den wahren Grund für das Niederscheiben meiner Gedanken hier auszudrücken. Im Grunde fehlt uns allen etwas Toleranz und Verständnis für den anderen, auch ein Raucher will gerne in der Sonne sein Zigarettchen paffen und steht zwei Meter vor dem Raucherbereich und begeht damit einen vermeintlich schweren Fehler. Und der Nichtraucher, der zwanzig Meter weiter sitzt, will nun sein Recht durchsetzen. Aber wozu? Und warum kann der Raucher nicht auf den Sonnenschein verzichten und somit den Nichtraucher, der vielleicht auch mal geraucht hat, nicht provozieren? Nach all meinen Zeilen muss ich gestehen, ich komme nicht von der Raucherperspektive weg. Natürlich will ich mit meinen Gedanken auch nicht beleidigen oder provozieren. Vielmehr möchte ich uns alle wachrütteln und den normalen Menschenverstand aktivieren. Ein bisschen Toleranz und Verständnis für den jeweils anderen und seine Situation sollte in uns allen wirken. Vielleicht sollte ich meine Pausenzigarette in einem Schuppen ohne Sonne genießen und dafür sollte ich nach der Arbeit einen langen Spaziergang machen – mit gemütlicher Zigarettenpause natürlich – wobei übrigens das erste Bußgeld anfallen könnte. Und vielleicht sollte der Nichtraucher, der sich von einem weit entfernten Raucher belästigt fühlt, in sich gehen und das Verständnis entwickeln, dass diese zwei Meter eventuell im Rahmen liegen könnten.

Toll wäre aber auch, wenn Raucher und Nichtraucher zusammen alle Regeln und Gebote einhalten, nicht provozieren, den anderen in seinem „Ich“ tolerieren und nicht einfach nur zum Spaß ein Streitgespräch vom Zaun brechen würden. Wäre nicht uns allen damit geholfen? Oder bin ich nur ein Raucher, der diese Gelegenheit nutzt, um einmal Tacheles zu sprechen und der seine vermeintlichen Rechte einklagen will? Oder lege ich einen Finger in die Wunde? Was könnten denn die Nichtraucher schon bewirken, außer dass ich vielleicht aufhöre zu rauchen, weil mir die ewige Nörgelei auf die Nerven geht? Darauf eine Zigarette in der Sonne…

M.M.