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EINFACH GESAGT

Ein Buch-Binder fügt zum Beispiel die Seiten von einem Buch zusammen.

Der erste Buch-Binder von dem man den Namen kannte hieß:

Dagaus.

Dagaus war aus Irland.

Er war Mönch.

Er lebte vor langer Zeit.

Früher haben meistens die Mönche die Bücher gemacht.

Heute ist das ein eigener Beruf.

Im Lwerk gibt es seit August 2020 eine Buch-Binderei.

In dem Bereich Buch-Binderei arbeiten 2 Mitarbeiter.

In diesem Bereich ist noch Platz für mehr Mitarbeiter.

Die Tätigkeiten der Mitarbeiter sind zum Beispiel:

Papier kleben und schneiden

Zeitschriften zu Büchern

zusammen binden.

Zu den Kunden gehören

zum Beispiel Rechts-Anwälte

und Steuer-Berater.

Der Bereichs-Leiter der Buch­binderei heißt Herr Diller.

Er ist ein Buch-Binder.

 

ALLTAGSSPRACHE

Die Buchbinderei im Lwerk

„Ohne den Buchbinder müssten wir Romane auf losen Papierseiten lesen – ein ganz schönes Durcheinander!“

Was heute das Handwerk eines Buchbinders ist, war früher die Arbeit von Mönchen.

Der erste namentlich bekannte Buchbinder stammt aus dem 6. Jahrhundert und war der irische Mönch Dagaeus. Im Mittelalter (5. – 6. Jahrhundert) wurden vor allen Dingen in Klöstern Bücher geschrieben und in klostereigenen Buchbindereien eingebunden und gestaltet. Irland und Schottland waren im Buchbinderhandwerk führend. Dieses blieb auch bis ins Spätmittelalter (13. und 14. Jahrhundert) so, bis sich in einigen Universitäts- und Handelsstädten die ersten bürgerlichen Buchbinder niederließen. 

In der Renaissance (15. bis Ende 16. Jahrhundert) kam es mit der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern ab 1450 zu einem rasanten Anstieg der Buchproduktion. Bücher konnten schneller und günstiger hergestellt werden. Diese große Anzahl an Büchern musste auch gebunden werden. Es kam zu einer Zunahme nicht-klösterlicher Buchbinder. Oft übernahmen Geistliche oder Studenten, die sich damit ein Zubrot verdienten, das Binden der Bücher, aber auch andere begabte Männer übten die Tätigkeit des Buchbindens aus. 

In der Barockzeit (16. und 17. Jahrhundert) entstanden eigenständige Buchbinder-Zünfte (Freiburg 1603), so dass das Buchbindehandwerk eine festgefügte Ordnung erhielt. Viele Buchbinder legten ihren Schwerpunkt in die Vergoldung von Einbänden und Buchschnitten. Die überreiche Vergoldung spiegelte den Stil der Zeit wieder.

Erst in der Neuzeit (18. Jahrhundert bis jetzt) wurde das Buchbinden industriell revolutioniert. Der Prozess des Buchbindens erfuhr eine vollständige Mechanisierung. Die eigent­liche Bindung der Papierseiten wurde durch Klebstoff ersetzt. Heute gibt es in Deutschland noch etwa 500 Buchbindereien.

Interview mit Herrn Diller, dem Bereichsleiter der 

Buchbinderei in der Blissetraße 46 in Wilmersdorf

Guten Tag, Herr Diller! Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für unsere Fragen nehmen!
Seit wann gehört die Buchbinderei zum Lwerk?

Die Buchbinderei gehört seit August 2020 zum Lwerk.

Wie viele Mitarbeiter:innen hat der Bereich Buchbinderei?

Bisher arbeiten zwei Mitarbeiter in der Buchbinderei. Wir haben noch Platz für min­destens zwei weitere.

Was muss man können, um in diesem Bereich zu arbeiten?

Handwerkliches Geschick ist von Vorteil. 

Was macht einen/eine guten/gute Buchbinder:in aus?

Liebe zum Detail, Wissen um Material­eigenschaften, sauberes Arbeiten. 

Werden Fortbildungen, Weiterbildungen angeboten?

Ja, es ist möglich Fortbildungen zu machen, die über das hinausgehen, was in der Buchbinderei vor Ort gelernt oder gemacht werden kann – zum Beispiel spezielle Bindetechniken oder Messebesuche.

Was sind die Tätigkeiten der Mitarbeiter:innen und eines/einer Buchbinders:in?

Papier kleben und schneiden, Papier falzen, fadenheften, Einbanddecken prägen – zum Beispiel mit goldenen Buchstaben.

Welche Produkte stellen Sie her?

Wir binden Zeitschriften zu Büchern ­zusammen, Privatkunden bringen uns ihre Lieblingsbücher zum Reparieren. Wir produzieren maß­gefertigte Kästen, individuell gestaltete Bücher, Mappen, Fotoalben.

Wer gehört zu Ihrer Kundschaft?

Hauptsächlich lassen Rechtsanwälte und Steuerberater ihre Zeitschriften bei uns binden.  Auch Werbeagenturen und Privatleute kommen mit Ihren Aufträgen zu uns.

Wie viele Jahre sind Sie als Buchbinder tätig?

Ca. 40 Jahre, eigentlich kann man sagen, dass ich in einer Buchbinderei aufgewachsen bin, weil mein Vater auch schon eine Buchbinderei hatte.

Waren Sie „schon immer“ ein Buch­binder oder haben Sie noch andere Tätigkeiten ausgeübt?

Ich habe nach der Ausbildung zum Buchbinder und dem Fachabitur, Druckereitechnik studiert. Nach dem Studium habe ich in einer Druckerei in der Kalkulation gearbeitet.

Was hat Sie an der Buchbinderei interessiert?

Ich mag das Arbeiten mit Papier, die Kreativität die nötig ist, um tolle Produkte herzustellen.

Wie viele Jahre dauert die Ausbildung zum/zur Buchbinder:in?

In der Regel drei Jahre.

Glauben Sie, dass der Beruf des Buchbinders aussterben wird?

Wie kommen Sie denn auf diese Idee? Solange es Papier gibt, besteht auch der Wunsch das Papier nicht lose, sondern gebunden zu haben.

Wir danken Ihnen für die freundliche Beantwortung der Fragen und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und alles Gute.

Text und Interview: Claudia Antl
Standort: Wilmersdorf